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Kompressionsstrümpfe: Anmessen, Anziehen, Pflegen

Wozu sie da sind

Kompressionsstrümpfe üben von außen einen abgestuften Druck aus – am Knöchel am stärksten, nach oben abnehmend. Das unterstützt den Rückfluss des Blutes zum Herzen und wirkt Schwellungen entgegen.

Typische Anlässe: Krampfadern, chronische Venenschwäche, nach einer Thrombose, bei Lymphödemen, in der Schwangerschaft, nach bestimmten Operationen.

Sie sind kein Kosmetikum und kein Sportartikel – Kompressionsklassen sind medizinische Produkte und werden ärztlich verordnet.

Warum das Anmessen morgens stattfindet

Das ist der Punkt, an dem eine Versorgung am häufigsten scheitert.

Ein Bein ist abends dicker als morgens. Wird nachmittags gemessen, entsteht ein Strumpf, der zum geschwollenen Bein passt – und am nächsten Morgen zu weit ist. Dann drückt er nicht dort, wo er soll, und die Wirkung bleibt aus.

Deshalb: Termin am Vormittag, möglichst bald nach dem Aufstehen. Bei ausgeprägten Schwellungen wird das Bein vorher entstaut, etwa durch Lymphdrainage oder Bandagierung.

Gemessen wird an mehreren definierten Stellen. Bei starken Abweichungen von Standardgrößen wird maßangefertigt – das dauert länger, sitzt aber besser.

Klassen und Ausführungen

Kompressionsstrümpfe gibt es in mehreren Kompressionsklassen von leicht bis sehr stark. Welche Sie brauchen, entscheidet die verordnende Praxis nach Befund – nicht nach Empfinden. Ein stärkerer Strumpf ist nicht besser, sondern nur dann richtig, wenn er indiziert ist.

Dazu kommt die Länge: Wadenstrumpf, Schenkelstrumpf, Strumpfhose. Auch das ist eine medizinische Entscheidung. Der Wadenstrumpf reicht bei venösen Problemen häufig aus und wird deutlich zuverlässiger getragen als längere Varianten.

Anziehen: der praktische Teil

Dass Kompressionsstrümpfe schwer anzuziehen sind, ist kein Zeichen von Ungeschick – es liegt in der Natur der Sache.

Was hilft:

  • Morgens vor dem Aufstehen anziehen, solange das Bein schlank ist
  • Gummihandschuhe – sie geben Halt und verhindern, dass Fingernägel das Gestrick beschädigen
  • Anziehhilfen: Gestelle, Gleitsocken, Anziehbügel. Viele sind verordnungsfähig, fragen Sie im Sanitätshaus danach
  • den Strumpf auf links bis zur Ferse stülpen, Fuß hineinsetzen, dann hochrollen
  • nicht zerren – der Strumpf wird abschnittsweise hochgearbeitet, nicht gezogen

Falten sind nicht kosmetisch, sondern ein Problem: An einer Falte entsteht punktueller Druck, der einschnüren kann. Streichen Sie den Strumpf glatt.

Pflege

  • Täglich waschen, bei 30 bis 40 Grad, mit mildem Waschmittel
  • Kein Weichspüler – er zerstört die Elastanfasern
  • Nicht in den Trockner, nicht auf die Heizung, nicht in die Sonne
  • an der Luft trocknen, liegend oder hängend

Deshalb werden zwei Paar verordnet: eines trocknet, das andere wird getragen.

Wann sie ersetzt werden müssen

Nach etwa sechs Monaten täglichen Tragens lässt die Kompression nach. Das sieht man dem Strumpf nicht an – er kann intakt aussehen und trotzdem wirkungslos sein.

Früher ersetzen sollten Sie ihn bei Laufmaschen, ausgeleiertem Bund oder wenn er sich plötzlich leicht anziehen lässt. Das letzte Zeichen wird oft als Fortschritt missverstanden und ist meist Materialermüdung.

⚠️ Wann Sie absetzen und ärztlich abklären lassen

Kompression ist nicht immer harmlos. Setzen Sie die Strümpfe ab und melden Sie sich, wenn:

  • Zehen kalt, blass oder bläulich werden
  • Taubheit oder Kribbeln auftritt
  • Schmerzen zunehmen statt abzunehmen
  • offene Stellen oder Druckstellen entstehen
  • die Haut nässt, sich rötet oder überwärmt anfühlt

Bei fortgeschrittener arterieller Durchblutungsstörung, akuter Beininfektion oder bestimmten Herzerkrankungen kann Kompression schaden. Deshalb wird vor der Verordnung die arterielle Durchblutung geprüft.

Sofort die 112 bei plötzlicher starker Schwellung eines Beins mit Schmerz und Überwärmung, besonders zusammen mit Atemnot oder Brustschmerz – das kann auf eine Thrombose mit Lungenembolie hindeuten.


Dieser Beitrag informiert allgemein über Kompressionsversorgung. Er ersetzt keine ärztliche Beratung; Klasse, Länge und Tragedauer legt die behandelnde Praxis fest.

HÄUFIGE FRAGEN
Warum werden Kompressionsstrümpfe morgens angemessen?
Weil das Bein im Tagesverlauf anschwillt. Wird am Nachmittag gemessen, fällt der Strumpf zu weit aus und drückt am nächsten Morgen nicht mehr richtig. Deshalb findet das Anmessen im Sanitätshaus in der Regel vormittags statt, idealerweise kurz nach dem Aufstehen.
Wie lange halten Kompressionsstrümpfe?
Etwa ein halbes Jahr bei täglichem Tragen – danach lässt die Kompressionswirkung nach, auch wenn der Strumpf noch intakt aussieht. Die gesetzliche Krankenkasse verordnet deshalb üblicherweise zwei Paar pro Halbjahr, damit eines gewaschen werden kann, während das andere getragen wird.
Muss ich die Strümpfe nachts tragen?
In der Regel nicht. Im Liegen fehlt der Druck der Schwerkraft, den die Kompression ausgleichen soll. Angezogen werden sie morgens vor dem Aufstehen, ausgezogen abends. Ausnahmen ordnet die behandelnde Praxis an – halten Sie sich an deren Vorgabe.
Wann darf ich Kompressionsstrümpfe nicht tragen?
Bei fortgeschrittener arterieller Durchblutungsstörung, bei akuter Infektion des Beins oder bei bestimmten Herzerkrankungen kann Kompression schaden. Deshalb wird vor der Verordnung die arterielle Durchblutung geprüft. Setzen Sie die Strümpfe ab und melden Sie sich ärztlich, wenn Zehen kalt, blass oder blau werden, wenn Taubheit auftritt oder Schmerzen zunehmen.